„Made in Germany“ ist stark — aber bei den Logistikprozessen spielen wir nicht mehr Champions League, sondern Europa League. Diese pointierte Diagnose stammt von einem, der die globale Logistik täglich von außen sieht: aus Dubai heraus, ständig zwischen Thailand, China und Vietnam unterwegs.
Der Rahmen und die Gäste
Zu Gast ist Karsten Kaya, Geschäftsführer von XXL Consolidation Services mit Homebase in Dubai. Er bringt eine erfrischend andere Perspektive ein — die des deutschen Logistikers, der den internationalen Maßstab kennt und daran misst, wo die heimische Branche steht. Das Gespräch reicht von der Weltlage bis zu einem ungewöhnlichen Projekt: einem Kinderbuch über Logistik.
Was die Episode behandelt
- Warum Dubai. Was Kaya bewog, seine Homebase von Deutschland zu verlegen, und was der Standort für den Blick auf die Branche bedeutet.
- Europa League statt Champions League. Warum deutsche Spediteure zu vorsichtig agieren und an Agilität verlieren.
- KI als mehr als Comic-Generator. Wie sein globales Netzwerk mit KI-gestützten Workshops den Netzwerk-Markt verändern will.
- Die aktuelle Weltlage. Container-Knappheit, Nordroute und Trump-Tarife aus internationaler Perspektive.
Das Bild, das hängenbleibt
Das Champions-League-Bild trifft, weil es nicht abwertet, sondern einordnet: „Made in Germany“ bleibt stark, aber die Prozesse haben den Anschluss an die Weltspitze verloren. Der Grund ist für Kaya die Vorsicht — deutsche Logistiker warten ab, wo internationale Wettbewerber handeln. Agilität entsteht nicht aus Technik, sondern aus der Bereitschaft, die Komfortzone zu verlassen.
Was das für Lieferketten bedeutet
Kayas zentrale Botschaft geht gegen die reine Digitalisierungserzählung: Trotz aller Technik braucht internationale Logistik den Menschen vor Ort, dort, wo die Entscheidungen fallen. Das Netzwerk ist kein Datenbankeintrag, sondern eine Beziehung — und die pflegt sich nicht per Algorithmus. Sein Rat an junge Logistiker fasst es zusammen: global denken, Netzwerk pflegen, Technologie verstehen und raus aus der Komfortzone.
Für die Supply-Chain-Praxis ist der internationale Maßstab der eigentliche Gewinn dieser Folge. Wer nur den heimischen Markt kennt, verwechselt den nationalen Standard mit dem globalen. Der Blick von Dubai aus zeigt, dass Agilität und Netzwerkdenken anderswo weiter sind — und dass die deutsche Gründlichkeit ihren Wert behält, aber um Tempo und Risikobereitschaft ergänzt werden muss.
Quellen
Podcast „Logistik aus der Praxis“ mit Karsten Kaya (XXL Consolidation Services): https://open.spotify.com/episode/6XLEa6JAdgdrnKhMQE4d6G