Supply Chain

Sonderausgabe Nahost-Krise: 16 Tage, die die globale Logistik verändert haben

15 Min. Lesezeit Henrik Schneider
Weekly Cover: Serienmotiv Weekly

Hormuz-Krise, IEA-Notfallfreigabe, Doppelblockade Rotes Meer — eine Lageanalyse für Supply-Chain-Verantwortliche

Meine letzte Ausgabe vom 2. März erschien im unmittelbaren Schock der ersten 48 Stunden nach Beginn der US-israelischen Militäroperationen gegen Iran. Seitdem sind 14 weitere Tage vergangen — 14 Tage, die das Bild grundlegend verändert und verschärft haben.

Diese Sonderausgabe ist kein allgemeiner SCM-Newsletter. Sie ist ausschließlich eine Lageanalyse zur Nahost-Krise und ihren Konsequenzen für die globale Supply Chain — mit allen relevanten Fakten, die Sie für Ihre Entscheidungen heute benötigen.

Ich halte mich an das, was ich Ihnen in der letzten Ausgabe versprochen habe: Fakten, Einordnung, Handlungsempfehlungen. Keine Polemik. Keine Prognosen ins Blaue.

Kapitel 1 — Chronologie der Eskalation

Von der Sperrung zur Systemkrise: Was seit dem 28. Februar geschah

Eine präzise Chronologie ist die Grundlage für jede sachliche Einordnung. Was folgt, ist der dokumentierte Verlauf — ohne Wertung der politischen Entscheidungen.

| 28. Feb. 2026 | USA und Israel starten Operation Epic Fury. Koordinierte Luftschläge gegen Nuklear-, Raketen- und Marineinfrastruktur Irans. IRGC sendet Warnungen an Schiffe im Persischen Golf. | | — | — | | 1. März 2026 | Iranische Staatsmedien bestätigen den Tod von Ayatollah Ali Khamenei. Iranische Gegenangriffe auf Bahrain, Kuwait, VAE, Qatar, Saudi-Arabien. Hapag-Lloyd, MSC, CMA CGM, Maersk suspendieren alle Transits durch die Straße von Hormuz. Ca. 150 Tanker ankern vor der Straße. | | 2. März 2026 | IRGC-Kommandeur erklärt Straße von Hormuz offiziell für geschlossen. Brent steigt auf ~80-82 USD/Barrel. Dubai Airport partiell nach Trümmereinschlag geschlossen. DP World suspendiert Jebel Ali Port vorübergehend. CMA CGM erhebt 3.000 USD/FEU Notzuschlag für Golf-Routen. | | 3.–6. März 2026 | Tankerverkehr sinkt um ca. 80 %. Brent überschreitet 100 USD/Barrel. Saudi-Aramco schließt Ras-Tanura-Raffinerie nach Drohnenangriffen. Qatar erklärt Force Majeure auf LNG-Exporte. Bahrain (BAPCO) erklärt Force Majeure. IEA: Globales Energieangebot um ca. 20 % reduziert. | | 5. März 2026 | Iran differenziert: Straße geschlossen nur für Schiffe aus USA, Israel und deren westlichen Verbündeten. China verhandelt diplomatisch um Ausnahmeregelungen. | | 8. März 2026 | Iran bestätigt selektive Öffnung erneut. Drohnenangriffe treffen Bypass-Häfen in Oman (Duqm, Salalah) — alternative Routen werden ebenfalls gefährdet. Brent erreicht ~119-126 USD/Barrel auf Wochenshöchststand. | | 10.–11. März 2026 | Saudi-Arabien leitet über 4 Mio. bbl/Tag über die East-West-Pipeline nach Yanbu um — aber Kapazitätsdefizit von ca. 12 Mio. bbl/Tag verbleibt. IEA kündigt historische Notfallfreigabe von 400 Mio. Barrel an — größte in der Geschichte der Agentur (gegr. 1974). | | 12.–13. März 2026 | Brent fällt nach IEA-Ankündigung auf ~90-105 USD/Barrel, bleibt aber hochvolatil. US-Treasury gibt General License 134 aus: russisches Rohöl (ca. 215 Mio. bbl in Transit) temporär freigeschaltet zur Marktstabilisierung. Türkisches Schiff passiert Straße unter iranischer Genehmigung. | | 14. März 2026 | NULLPUNKT: Erstmals kein einziger AIS-bestätigter kommerzieller Schiffsübergang in beiden Richtungen. Rund 400 Schiffe halten Position im Golf von Oman. Subsea-Kabel-Projekt 2Africa (arabischer Abschnitt) suspendiert nach Force-Majeure-Erklärung von Alcatel. | | 15.–16. März 2026 | Indische Tanker (LPG) passieren Straße mit iranischer Genehmigung. Pakistanisches Schiff passiert. Iran lässt 22 weitere indische Schiffe prüfen. US-Finanzminister Bessent erklärt, USA lässt iranische Öltanker zur Marktstabilisierung durch. Trump fordert Alliierte auf, Kriegsschiffe zur Sicherung der Straße zu schicken — mit begrenztem Echo. |

| Stand 16. März 2026 — Zusammenfassung Die Straße von Hormuz ist für westliche Schiffe de facto blockiert. Tankerverkehr liegt nahe null für US/EU/israelische Flaggen. Selektive Durchfahrten für China, Indien, Pakistan, Türkei unter iranischen Einzelgenehmigungen. Beide kritischen Chokepoints sind gleichzeitig kompromittiert: Hormuz für Energieträger, Rotes Meer für Container (Houthis haben nach anfänglicher Pause Angriffe wieder aufgenommen). Die IEA-Notfallfreigabe ist eine Überbrückungsmaßnahme, keine Lösung. Bei anhaltender Schließung deckt sie nach Macquarie-Schätzungen ca. 26 Tage des ausgefallenen Volumens ab. Der Konflikt zeigt keine kurzfristige Deeskalationstendenz. Eine Partialöffnung über diplomatische Kanäle — v.a. über China und neutrale Staaten — bleibt das wahrscheinlichste Szenario. | | — |

Kapitel 2 — Energiemärkte & Rohstoffe

Der größte Ölversorgungsschock der modernen Geschichte

Die IEA hat die aktuelle Situation offiziell als die schwerste Versorgungsstörung in der Geschichte der modernen Ölmärkte eingestuft — schwerer als der Golfkrieg 1991, schwerer als die Ukraine-Krise 2022. Das ist keine Rhetorik, das sind Zahlen.

| ~8 Mio. bbl/d Rohölproduktion aktuell gedrosselt — IEA-Schätzung (Iraq, Qatar, Kuwait, UAE, Saudi-Arabien) | +25% Brent-Anstieg seit Kriegsbeginn 28. Feb. (von ~65 USD auf ~90-105 USD aktuell nach IEA-Intervention) | 20% Reduktion des globalen Energieangebots durch Hormuz-Blockade und regionale Infrastrukturschäden | | — | — | — |

Die IEA-Notfallfreigabe — Einordnung

Am 11. März haben alle 32 IEA-Mitgliedsländer einstimmig die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven beschlossen. USA: 172 Mio. Barrel aus dem Strategic Petroleum Reserve (SPR). Der Rest verteilt sich auf Japan, Deutschland, Südkorea und weitere Mitglieder.

| | The oil market challenges we are facing are unprecedented in scale. The coordinated emergency stock release provides a significant and welcome buffer, but in the absence of a swift resolution to the conflict, it remains a stop-gap measure. — IEA Executive Director Fatih Birol, 11. März 2026 | | — | — |

Die nüchterne Mathematik dahinter: 400 Millionen Barrel entsprechen laut Macquarie-Analysten ca. 26 Tage des ausgefallenen Hormuz-Volumens. Das ist ein bedeutender Puffer — aber eben kein Ersatz. Solange die Straße nicht wieder operabel ist, ist die IEA-Freigabe eine Zeitgewinn-Maßnahme, keine strukturelle Lösung.

| Weitere Energieinfrastruktur unter Druck Qatar hat Force Majeure auf LNG-Exporte erklärt — Qatar liefert ca. 20 % des globalen LNG. Europa bezieht 12-14 % seines LNG aus Qatar, davon transittiert der gesamte Anteil über die Straße von Hormuz. Die Saudi-Aramco-Raffinerie Ras Tanura ist nach Drohnentreffern geschlossen. Bahrain (BAPCO) hat Force Majeure erklärt. Irak, Kuwait, VAE haben Produktion gedrosselt. Saudi-Arabiens East-West-Pipeline und Fujairah-Pipeline leisten ca. 2,6 Mio. bbl/Tag Bypass-Kapazität — bei einem Defizit von ca. 12 Mio. bbl/Tag. Hinzu kommt: Drohnenangriffe haben auch die Bypass-Häfen in Oman (Duqm, Salalah) getroffen. Sohar liegt im War-Risk-Bereich, was die Versicherungskosten erhöht. | | — |

Was das für Ihre Energiekosten bedeutet

Der Ölpreiseffekt wirkt nicht isoliert. Er kaskadiert durch alle energieintensiven Bereiche Ihrer Lieferkette. Konkret:

  • Treibstoffkosten: Dieselpreise steigen mit einer Verzögerung von 2–4 Wochen nach Rohölpreisbewegungen — der volle Effekt auf Transportkosten wird ab Ende März spürbar
  • Kunststoffe und petrochemische Inputs: Asiatische Garmentindustrie besonders exponiert — Rohstoffe für synthetische Fasern laufen über Hormuz
  • Aluminium: UAE und Golf-Region sind wichtige Produzenten. Unterbrechungen treffen Automotive, Aerospace, Bauwirtschaft
  • Düngemittel: Ein Drittel des globalen Düngemittelhandels läuft über die Straße — Konsequenzen für Agrar-Supply-Chains in 4–8 Wochen
  • Jet-Kerosin: Ca. 30 % des europäischen Jet-Fuel-Angebots stammt aus der Golf-Region. Dubai als globaler Luftfracht-Hub ist noch eingeschränkt

| | All of these factors will cascade through global supply chains, raising consumer prices across the board in about a month. We are entering a period of higher inflation and reduced manufacturing. — Supply Chain Risk-Analystin gegenüber CNBC, 11. März 2026 | | — | — |

Kapitel 3 — Maritime Logistik & Frachtraten

Doppelblockade: Hormuz und Rotes Meer gleichzeitig

Die vielleicht gravierendste Entwicklung der vergangenen Wochen ist nicht ein einzelnes Ereignis — es ist die gleichzeitige Schließung beider kritischer Seerouten für die Ost-West-Handelsströme. Das ist beispiellos in der modernen Schifffahrtsgeschichte.

| | For the first time in modern history, both of the Middle East’s major maritime corridors are simultaneously blocked. The Red Sea route was already operating at 49% of pre-crisis capacity. Any plans for a phased return of container shipping to the Red Sea in 2026 are now shelved. — Carra Globe Shipping Analysis, März 2026 | | — | — |

Die Lage der Carrier — aktueller Stand

Alle vier großen Carrier haben ihre Position seit meiner letzten Ausgabe präzisiert und verschärft:

  • Hapag-Lloyd: Vollständiger Transitstopp Hormuz bis auf Weiteres. Suez-Transit ebenfalls suspendiert. Umleitung via Kap der Guten Hoffnung für alle betroffenen Dienste
  • Maersk: Suspendierung aller Hormuz-Transits. Suez-Transit pausiert. Kap-Umleitung als Standardrouting
  • MSC: Alle Schiffe in Shelter-Positionen. Keine Transits bis Sicherheitslage sich klärt
  • CMA CGM: Vollständige Suspendierung. Notfallsurcharge 3.000 USD/FEU für Golf-Routen

| Jebel Ali — der unsichtbare Engpass Jebel Ali in Dubai ist der größte Containerport des Nahen Ostens und ein zentraler Transshipment-Hub für IT-Hardware, Konsumgüter und Industriegüter in die Region Naher Osten, Ostafrika und Südasien. Nach dem Trümmereinschlag vom 1. März wurde der Port zwischenzeitlich suspendiert und hat eingeschränkt wieder geöffnet. Für Unternehmen mit Lieferungen in diese Regionen: Prüfen Sie sofort, ob Ihre Cargo in Transit ist oder in Jebel Ali liegt. Alternativer Transshipment über Singapore, Malaysia, Sri Lanka ist möglich — aber mit erheblicher Verzögerung und Kapazitätsengpässen. | | — |

Frachtraten: Was wir messen

Die Freightos-Daten aus der ersten Märzwoche zeigen die Ausbreitung der Disruption:

| 4.000+ USD/FEU Shanghai → Jebel Ali (Anstieg von 1.800 USD binnen 72h nach Kriegsbeginn) | +15% China–USA Luftfracht in der ersten Märzwoche (z.T. Dubai-Hub-Ausfall) | | — | — |

  • Südostasien → Europa: +6 % auf 3,82 USD/kg in der ersten Kriegswoche (Luftfracht)
  • Naher Osten → Europa: +8 % Luftfracht, bei weiterhin eingeschränktem Dubai-Airport
  • Container-Haupthandelsrouten (Asien–Europa, Transpacific): Aktuell noch weitgehend stabil — aber bei anhaltender Kap-Umleitung drohen steigende Raten in 4–6 Wochen durch Kapazitätsentzug
  • Versicherungsprämien: War-Risk-Prämien für Golf-Routen auf Mehrjahreshoch. P&I-Versicherung für mehrere Routen gekündigt oder neu bepreist

| | You don’t need to shoot at every ship. You just need to shoot at one ship every once in a while to prove the risk is real. That is sufficient for most commercial operators not to risk the lives of their crew. — Lars Jensen, Vespucci Maritime / AJOT, 1. März 2026 | | — | — |

Die 400-Schiffe-Frage: Warten oder umrouten?

Am 14. März hat Windward Intelligence ca. 400 kommerzielle Schiffe im Golf von Oman identifiziert, die vor der Straße halten — statt global umzurouten. Das ist ein Signal: Die Märkte kalkulieren eine partielle Wiederöffnung ein. Wenn dieser Erwartungsanker bricht und die Schiffe sich global verteilen, entsteht eine zweite Welle von Kapazitätsdruck auf den Kap-Routen.

| Was die selektiven Durchfahrten bedeuten Iran lässt seit dem 5. März selektiv Schiffe durch: China (de facto), Indien, Pakistan, Türkei haben Einzelgenehmigungen erhalten oder ausgehandelt. Das ist geopolitisch bedeutsam: Es entsteht eine Zwei-Klassen-Schifffahrt, bei der westliche Flaggen systematisch benachteiligt sind. Für europäische und US-amerikanische Verlader bedeutet das: Die Straße ist nicht physisch zu, aber für Sie kommerziell unpassierbar — mit allen Konsequenzen für Routen, Transit-Zeiten und Kosten. | | — |

Kapitel 4 — Wirtschaftliche Gesamtwirkung

Stagflationsrisiko und die Grenzen der Gegenmaßnahmen

Das World Economic Forum hat die wirtschaftliche Gesamtarchitektur dieser Krise klar analysiert: Was als militärischer Schock beginnt, verhärtet sich zu einem geoökonomischen. Iran kann den USA und Israel militärisch nicht paroli bieten — aber es kann die Kosten des Konflikts globalisieren, indem Energie-, Transport- und Infrastrukturziele getroffen werden.

| | What begins as a battlefield shock hardens into a geoeconomic one. Iran is internationalizing the costs of war by targeting energy, shipping and civilian infrastructure across the Gulf. The logic is simple: raise the price of escalation until pressure for de-escalation builds. — World Economic Forum, März 2026 | | — | — |

Die asymmetrische Lastverteilung

Ein entscheidender Fakt, der in der europäischen Diskussion oft untergeht: Die USA importieren kaum Öl über die Straße von Hormuz. Die Hauptlast tragen asiatische Volkswirtschaften — und indirekt Europa über LNG-Preise und Lieferketten.

  • China erhält ca. 45 % seines Öls über die Straße von Hormuz — trotz bestehendem Zugang ein massiver Preisschock
  • Indien ist mit dünnen Reserven und hoher Abhängigkeit von Nahost-Rohöl besonders exponiert — Rupien-Schwäche, Inflationsschub
  • Japan und Südkorea: Beide Länder geben Reserven aus dem IEA-Freigabepaket frei — als Signal ihrer Verwundbarkeit
  • Europa: LNG-Preisspike durch Qatar-Force-Majeure trifft direkt. 12-14 % des europäischen LNG-Bedarfs kommt aus Qatar
  • Entwicklungsländer: Am stärksten betroffen — steigende Energiepreise, Währungsdruck, eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten

Das IMF-Wachstumsziel von 3,3 % für 2026 steht unter erheblichem Druck. Frühere Öl-Schocks 1973, 1979, 1990 und 2008 haben in allen Fällen Rezessionen ausgelöst oder beschleunigt. Ökonomen sprechen von Stagflationsrisiken — ein Umfeld, das besonders schwer zu navigieren ist, weil klassische Gegenmittel (Zinssenkungen vs. Inflationsbekämpfung) in Konflikt geraten.

| Was Gartner dazu sagt Laut ISM/Gartner-Daten verlieren fast zwei Drittel aller Unternehmen bei einer signifikanten Disruption Umsatz — mit einem durchschnittlichen Anstieg der Cost-to-Serve um 40 % nach einer Disruption. Unternehmen mit vorbereiteten Szenarienplänen und flexiblen Vertragsstrukturen kalibrieren sich schneller neu. Der Rest improvisiert — und Improvisation ist in der aktuellen Lage besonders teuer. | | — |

Kapitel 5 — Handlungsempfehlungen

Was Sie jetzt konkret tun müssen — Stand 16. März 2026

Ich teile die Empfehlungen nach Zeithorizont und Dringlichkeit. Entscheidend ist jetzt: Unterscheiden Sie zwischen dem, was Sie in 48 Stunden entscheiden müssen, und dem, was Sie strukturell angehen müssen.

Sofortmaßnahmen — diese Woche

1. Vollständige Hormuz-Exposition kartieren

Erstellen Sie eine Tier-1-bis-Tier-3-Analyse Ihrer Rohstoff- und Vorprodukt-Abhängigkeiten vom Persischen Golf und der Hormuz-Region. Nicht nur direktes Öl — sondern auch petrochemische Inputs, Aluminium, Düngemittel, LPG. Viele Unternehmen kennen ihre direkte Exposition, aber nicht die indirekte über Tier-2- und Tier-3-Lieferanten.

2. Cargo in Transit sofort verfolgen

Wenn Sie Sendungen haben, die im Persischen Golf, in Jebel Ali oder auf Schiffen im Golf von Oman sitzen: Klären Sie jetzt den Status. Rund 400 Schiffe halten aktuell Position — nicht umrouten, sondern warten. Das ist eine Entscheidung, die Sie für Ihr Cargo aktiv treffen müssen, nicht dem Carrier überlassen.

3. Force-Majeure-Klauseln aktivieren und prüfen

Qatar, BAPCO, Kuwait Petroleum, TotalEnergies, Shell haben Force Majeure erklärt. Prüfen Sie aktiv, welche Ihrer Lieferanten ähnliche Erklärungen abgeben werden — und prüfen Sie gleichzeitig, ob Ihre eigenen Verträge belastbare Klauseln für genau dieses Szenario enthalten.

4. Kunden proaktiv informieren

Die Unsicherheit, die Ihre Kunden durch Nachrichtenmeldungen wahrnehmen, ist größer als die Disruption selbst — wenn Sie kommunizieren. Warten Sie nicht, bis ein Kunde anruft. Senden Sie ein sachliches Update zu potenziellen Auswirkungen auf Ihre Lieferfähigkeit. Das schafft Vertrauen und gibt Ihnen die Initiative.

Kurzfristige Maßnahmen — nächste 4–6 Wochen

5. Kap-Routing als temporären Standard etablieren

Die Umleitung via Kap der Guten Hoffnung verlängert Laufzeiten um 10–14 Tage und erhöht Kosten. Aber es ist die einzige verlässlich verfügbare Route für westliche Carrier aktuell. Planen Sie Ihre Lagerbestände und Kundenzusagen entsprechend um. Wer jetzt noch mit Suez-Zeitplänen plant, plant falsch.

6. Energiekostenpuffer kalkulieren

Der volle Effekt der Ölpreissteigerung auf Ihre Transportkosten ist zeitverzögert — er erreicht Sie in 2–4 Wochen. Kalkulieren Sie einen Puffer von 15–25 % auf Ihre Landtransportkosten für Q2 2026 ein. Wenn Sie keine Preisgleitklauseln in Ihren Verträgen haben, werden Sie diese Mehrkosten intern absorbieren müssen.

7. Alternativen für LNG-abhängige Energieversorgung prüfen

Wenn Ihre Produktion oder Ihre Logistikimmobilien auf Erdgas angewiesen sind: Prüfen Sie, wie Ihr Energieversorger auf den LNG-Preisschock reagiert, und welche Hedging-Instrumente zur Verfügung stehen. Deutschland, Österreich geben Reserven frei — aber die Füllung der Speicher zu Jahresbeginn ist kein Garant für einen störungsfreien Sommer.

Strategische Maßnahmen — mittelfristig

8. Szenarioplanning mit drei Horizonten

Szenario A (Partialöffnung in 3–5 Wochen): Diplomatisch vermittelte Durchfahrtsregelung über neutrale Parteien. Öl bei 80–90 USD. Freight-Raten erhöht aber stabil. Szenario B (Status quo 2–3 Monate): Zwei-Klassen-Schifffahrt bleibt bestehen. IEA-Reserven werden verbraucht. Stagflationsdruck steigt. Szenario C (Eskalation / Infrastrukturschäden an Ras Tanura / weiteren Omanischen Häfen): Öl >120 USD dauerhaft. Systemische Supply-Chain-Disruption über 6+ Monate.

9. Lieferantenportfolio für kritische Inputs überprüfen

Die Krise macht die Schwäche von Single-Source-Strategien für energieintensive oder petrochemisch abhängige Inputs sichtbar. Starten Sie jetzt — nicht nach der Krise — die Qualifikation von Alternativlieferanten. Selbst wenn der Hormuz in 4 Wochen wieder offen ist: Der nächste Stresstest kommt.

10. Digitale Infrastruktur absichern

Wenig beachtet, aber relevant: Das Subsea-Kabel-Projekt 2Africa wurde im arabischen Abschnitt suspendiert. Digitale Infrastruktur, Datenverbindungen, Cloud-Verfügbarkeit in der Region sind unter Druck. Prüfen Sie, ob kritische Geschäftsprozesse auf Konnektivität in der Region angewiesen sind — und welche Backup-Lösungen existieren.

| Podcast-Perspektive: Was Michael Buck und Frank-Martin Ball bereits gesagt haben In unserer Episode ‚KI in Logistik und Supply Chain — Hype oder Chance?‘ (mit Michael Buck, YEARNING Consulting) haben wir betont: KI-gestützte Entscheidungen helfen nur dann, wenn die Datenbasis stabil ist. In der aktuellen Lage gilt das noch mehr. Wer jetzt auf Echtzeit-Tracking, integrierte TMS/WMS-Daten und saubere Lieferanten-Stammdaten zurückgreifen kann, hat einen echten Vorteil. Wer das nicht kann, navigiert blind. Und in ‚Werde doch einfach ein bisschen resilienter‘ haben wir festgestellt: Resilienz beginnt nicht mit einem Tool, sondern mit einer Entscheidung — nämlich der, sie zur Chefsache zu machen. Das ist jetzt keine Theorie mehr. | | — |

Abschluss & ausblick

Was bleibt, wenn der Sturm sich legt

Die Krise im Persischen Golf wird enden. Alle Krisen enden. Die entscheidende Frage ist nicht wann — sie ist, was Ihr Unternehmen aus diesen Wochen lernt.

Was wir gerade erleben, ist der Realtest für alles, was Gartner, MIT, WEF und ich in den letzten Monaten beschrieben haben: Szenarioplanung, Resilienz als Führungsaufgabe, Datenqualität als Grundlage für Entscheidungsfähigkeit. Unternehmen, die diese Hausaufgaben gemacht haben, kalkulieren jetzt neu. Die anderen improvisieren.

Ich werde Sie mit weiteren Updates auf dem Laufenden halten — hier auf LinkedIn und über unseren Podcast ‚Logistik aus der Praxis‘. Nicht täglich, aber sobald sich etwas Wesentliches ändert.

| | In a world less predictable and more contested than any in recent memory, resilience will not be built through caution. It will be built through risk-ready decisions, made earlier. — Xeneta, Biggest Supply Chain Risks of 2026 | | — | — |

Henrik Schneider

Host — Podcast: „Logistik aus der Praxis“ · linkedin.com/in/henrik-schneider-logistik

Quellenverzeichnis — Alle Angaben Stand 16. März 2026

IEA Oil Market Report März 2026 (iea.org) | IEA Emergency Collective Action Ankündigung 11.03.2026 | Wikipedia: 2026 Strait of Hormuz Crisis | Wikipedia: Economic Impact of the 2026 Iran War | Al Jazeera: Strait of Hormuz Safe Passage (16.03.) | CNBC: US allowing Iranian tankers through Hormuz — Bessent (16.03.) | CNBC: Trump demands allies secure Strait (16.03.) | CNBC: Strait of Hormuz Crisis Explained (02.03.) | Lloyd’s List / Linerlytica: Box Shipping exits Hormuz (01.03.) | Windward Maritime Intelligence Daily 15.03.2026 | Freightos Weekly Freight Update 04.03.2026 (Iran war, freight rates, surcharges) | Kpler: US-Iran Conflict Oil Market Analysis (01.03.) | Al Jazeera: Iran war energy market impact (08.03.) | Al Jazeera: Food prices & oil (10.03.) | CNBC: Hormuz closure tipping point for global economy (11.03.) | Washington Post: Cargo ships hit in Persian Gulf (11.03.) | AJOT / Lars Jensen: Iran War, freight rates, port congestion | ISM Blog: Iran Attack Supply Chain Impact | World Economic Forum: Global Price Tag of Middle East War | Euronews: 73 Jahre USA-Iran Chronologie | Energy Connects: G7 oil reserve release | PBS NewsHour: IEA 400 Mio. Barrel | FinancialContent: IEA Nuclear Option analysis | Gartner / ISM Disruption Research

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