„Werde doch einfach ein bisschen resilienter.“ Ein gut gemeinter Satz — und manchmal eine Zumutung. Denn Resilienz ist kein Schalter, den man umlegt, sondern eine Entwicklung. Diese Folge nimmt das überstrapazierte Wort auseinander und fragt nach dem Inhalt, der darunter trägt.
Der Rahmen und die Gäste
Zu Gast sind Mental Coach Christian Inderkum und Supply-Chain-Experte Frank-Martin Ball. Die Kombination ist bewusst gewählt: Resilienz betrifft das Business und das Leben gleichermaßen, und das Gespräch pendelt zwischen beiden. Es geht um die Frage, was Resilienz wirklich bedeutet — und ob der Begriff selbst noch trägt oder ersetzt gehört.
Was die Episode behandelt
- Kein Widerstand um jeden Preis. Warum Resilienz nicht heißt, gegen jede Strömung zu halten, sondern einen Weg ans Ufer zu finden.
- Das Industrie-4.0-Problem. Warum das Wort wie andere Modebegriffe überstrapaziert ist, während der Inhalt Kontext und klare Ziele braucht.
- Beobachtung ohne Wertung. Warum das klare Wahrnehmen einer Situation, bevor Emotion oder Aktionismus einsetzen, der eigentliche Schlüssel ist.
- Aktionsfähig bleiben. Ob dieser Begriff nicht treffender wäre als das abgenutzte „resilient“.
Das Bild, das hängenbleibt
Christian Inderkums Bild von der Strömung bringt es auf den Punkt: Wer in einer starken Strömung nur dagegenhält, wird irgendwann müde und geht unter. Resilient ist, wer die Situation beobachtet und einen Weg findet, ans Ufer zu gelangen. Resilienz ist damit nicht Widerstandskraft im Sinne von Aushalten, sondern die Fähigkeit, handlungsfähig zu bleiben und sich anzupassen — beim Sportler vor dem Spiel wie bei der Führungskraft in der Krise.
Was das für Lieferketten bedeutet
Für die Supply Chain ist die Umdeutung von „resilient„ zu „aktionsfähig“ mehr als Semantik. Eine Lieferkette, die nur auf Widerstand gebaut ist — mehr Puffer, mehr Bestand, mehr Redundanz —, wird teuer und träge. Eine, die aktionsfähig bleibt, erkennt die Störung früh und findet den Weg um sie herum. Das ist der Unterschied zwischen statischer Absicherung und dynamischer Anpassung.
Der zweite Gedanke ist die Beobachtung ohne Wertung. Bevor man in einer Krise handelt, muss man die Lage sehen, wie sie ist — nicht wie man sie fürchtet oder erhofft. In der Supply Chain heißt das, den Ist-Zustand sauber zu erfassen, bevor Aktionismus einsetzt. Resilienz ist kein Plakat an der Wand, sondern ein Bündel trainierbarer Fähigkeiten, im Unternehmen wie im Privaten.
Quellen
Podcast „Logistik aus der Praxis“ mit Christian Inderkum und Frank-Martin Ball: https://open.spotify.com/episode/0wzIR0OI9R7I5QXF4yVnY1