Supply Chain

Dunkelflaute: Wie Batterien das Netz absichern

3 Min. Lesezeit Henrik Schneider
Dunkelflaute: Wie Batterien das Netz absichern

„Ihr hättet es wissen können.“ Kein Wind, keine Sonne, vier Tage lang — 2025 erlebte Deutschland vier Dunkelflauten, die längste dauerte 90 Stunden. Was passiert, wenn die Energiequelle nicht liefert und es kein Lager gibt? Prof. Maximilian Fichtners Antwort ist überraschend optimistisch: Das Problem ist lösbar, und zwar mit Technik, die es bereits gibt.

Der Gast und die Einordnung

Zu Gast ist Prof. Dr. Maximilian Fichtner, Direktor des Helmholtz-Instituts Ulm und einer der führenden Batterieforscher Europas. Christian Inderkum und ich sprechen mit ihm über einen spezifischen Engpass in der Energielieferkette — die Phasen, in denen die erneuerbare Erzeugung fast vollständig ausfällt. Fichtners zentrale These verschiebt die Diagnose: Deutschland habe keine gescheiterte Energiewende, sondern einen gescheiterten Netzausbau.

Was die Episode behandelt

  • Von 23 auf 0,2 Dunkelflauten. Wie transeuropäische Vernetzung das Problem nach der Rechnung des Deutschen Wetterdienstes praktisch eliminiert.
  • Speicher, die mehr können als speichern. Warum Batterien zugleich Netze stabilisieren und Netzentgelte senken.
  • Post-Lithium-Batterien. Was Speicher aus Calcium und Natrium leisten — ohne die geopolitischen Abhängigkeiten der Lithium-Kette.
  • Investition gegen Kosten. Warum 36 Milliarden für Netze etwas anderes sind als 80 Milliarden für fossile Importe.

Das Bild, das hängenbleibt

Fichtner rechnet die Studie des Deutschen Wetterdienstes vor: Nur Windkraft an Land ergibt 23 Dunkelflauten pro Jahr. Wind an Land und auf See senkt es auf 13. Zusätzlich Solar bringt es auf zwei. Und mit transeuropäischem Netzausbau bleiben statistisch 0,2 — eine Dunkelflaute alle fünf Jahre. Für dieses eine verbleibende Ereignis reicht eine Speicherfläche von einem Zehntel der deutschen Golfplätze. Die Zahl kippt die verbreitete Annahme, Dunkelflaute sei ein dauerhaftes, unlösbares Problem.

Was das für Lieferketten bedeutet

Die Unterscheidung zwischen Investition und Kosten ist auf jede Lieferkette übertragbar. Fichtners Bild: Die 80 Milliarden für fossile Importe werden verfeuert und sind weg; die 36 Milliarden für Netze schaffen eine Infrastruktur mit achtzig Jahren Lebensdauer. Dieselbe Logik gilt für Resilienzausgaben in der Supply Chain — ein zweiter Lieferant oder ein aufgestockter Sicherheitsbestand wirken als Kostenposten, sind aber eine Investition in Handlungsfähigkeit.

Der tiefere Punkt ist die Redundanz durch Vernetzung. Ein isoliertes System scheitert an seinem schwächsten Moment; ein vernetztes gleicht lokale Ausfälle über die Fläche aus. Dass sich das Dunkelflauten-Risiko allein durch Netzausbau von 23 auf 0,2 senken lässt, ist die energiewirtschaftliche Version eines Prinzips, das jede robuste Lieferkette kennt: Diversifikation schlägt Einzeloptimierung.

Quellen

  • Podcast „Logistik aus der Praxis„, Staffel „Lieferkette Energie — Wie sicher ist unsere Versorgung?“, Episode 3 mit Prof. Dr. Maximilian Fichtner (Helmholtz-Institut Ulm): https://open.spotify.com/episode/44vaEt2spbYOKzbyO00hOP
  • Deutscher Wetterdienst, Studie zur Häufigkeit von Dunkelflauten bei unterschiedlichem Ausbaupfad

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