KI ist in aller Munde — aber sie scheitert an einer unspektakulären Wahrheit: Ohne saubere Stammdaten hilft das beste Modell nichts. Diese Folge dreht die Reihenfolge um und fragt zuerst nach den Daten, dann nach der Intelligenz.
Der Rahmen und die Gäste
Zu Gast sind Dr. Christian Bechtle, Werkleiter und Supply-Chain-Experte bei einem Automobilhersteller, und Michael Buck, Geschäftsführer von Yearning Consulting. Das Thema: Datenmanagement in Logistik und Supply Chain — mit den Bordmitteln, die ohnehin im Unternehmen liegen, oder gleich mit KI. Die beiden nähern sich von zwei Seiten: Bechtle aus der Werksrealität, Buck aus der Beratungspraxis.
Was die Episode behandelt
- Bordmittel gegen KI. Was Power BI, SAP Analytics Cloud und Integrated Business Planning heute schon leisten — und wo die Grenze verläuft.
- Der Weg zu Copilot. Warum viele Unternehmen von eigenen Werkzeugen auf Microsoft Copilot umschwenken, und was der geschützte Rahmen dabei bedeutet.
- Stammdaten zuerst. Warum Migration und Datenpflege die eigentliche Arbeit sind, bevor irgendeine KI Wert schafft.
- Die Bordmittelwelt der Supply Chain. Ob Logistik und Planung noch in den klassischen Werkzeugen verhaftet sind oder den Sprung wagen.
Das Bild, das hängenbleibt
Der Kern der Folge ist unbequem: Die spannende KI-Diskussion verdeckt, dass die meisten Unternehmen ihre Hausaufgaben bei den Daten nicht gemacht haben. Ein Modell ist nur so gut wie die Stammdaten darunter — und wer Migration, Pflege und Struktur vernachlässigt, baut ein intelligentes System auf einem unsicheren Fundament. Die Reihenfolge ist nicht Intelligenz und dann Daten, sondern Daten und dann Intelligenz.
Was das für Lieferketten bedeutet
Für die Supply-Chain-Praxis ist das eine Warnung vor der Abkürzung. KI verspricht Antworten, aber sie rechnet mit dem, was da ist — schlechte Stammdaten erzeugen schlechte Prognosen, nur schneller und mit mehr Überzeugungskraft. Die eigentliche Investition liegt nicht im Modell, sondern in der Datenbasis, auf der es arbeitet.
Der zweite Gedanke ist der von den Bordmitteln. Bevor ein Unternehmen in neue KI-Werkzeuge investiert, lohnt der Blick auf das, was die vorhandene Systemlandschaft schon kann. Oft steckt in Power BI oder den SAP-Bordmitteln mehr ungenutztes Potenzial als in der nächsten Anschaffung — dieselbe Logik, nach der man in der Logistik erst die vorhandene Fläche optimiert, bevor man neue anmietet.
Quellen
Podcast „Logistik aus der Praxis“, Folge „Datenmanagement mit Bordmitteln oder KI“ mit Dr. Christian Bechtle und Michael Buck (Geschäftsführer Yearning Consulting): https://open.spotify.com/episode/49MJRkgz0tcqDCowZ0ghHu