Ein neues Mandat als Logistikleiter, eine engagierte Mannschaft und ein Yardmanagement-System, das im Lastenheft weiter war als in der Realität. Diese Folge erzählt eine Digitalisierung nicht als Erfolgsgeschichte, sondern als das, was sie war: harte Prozessarbeit mit Umwegen.
Der Rahmen und die Gäste
Als Interimmanager übernahm ich Ende 2022 die Logistikleitung mit dem Auftrag, Prozesse zu entwickeln, die Organisation zu überarbeiten und ein Yardmanagement-System zu finalisieren. Am Tisch sitzt das Team, das es umgesetzt hat: Birgit Geier (Gruppenleiterin Versand), Frau Aurich-Hoffmann (SAP-Consultant SD/TM), Herr Benjowski (systemaffiner Sachbearbeiter Versand) und Herr Brauer (Gefahrgutbeauftragter, zuständig für Lkw-Einfahrt und Hof).
Was die Episode behandelt
- Der Turnschuh-Ansatz. Warum Digitalisierung nicht am Schreibtisch beginnt, sondern beim Gang durch den realen Prozess.
- Ein halbes Jahr Workshops. Wie zwei bis drei Workshops pro Woche die Dokumentation und die To-do-Listen je Bereich entstehen ließen.
- Der Fehler mit dem Modulberater. Warum die Prozessaufnahme ohne den SAP-Modulberater ein Fehler war — und was das für künftige Projekte heißt.
- Vom Schlagbaum zum System. Wie aus installierter Zugangshardware ohne Anbindung ein durchgängiger Prozess wurde.
Das Bild, das hängenbleibt
Die ehrlichste Lehre der Folge ist der Fehler, den das Team offen benennt: Die Prozessaufnahme lief zunächst ohne den SAP-Modulberater. Nicht weil er die klügste Person im Raum wäre, sondern weil nur er weiß, was das System an dieser Stelle kann und was nicht. Wer Prozesse aufnimmt, ohne die Systemgrenzen zu kennen, plant an der Realität vorbei — und muss später doppelt arbeiten.
Was das für Lieferketten bedeutet
Für jede Digitalisierung in der Supply Chain ist das die zentrale Regel: Die Systemkompetenz gehört von der ersten Stunde an in die Prozessaufnahme, nicht erst in die Umsetzung. Sonst entsteht ein Sollprozess, den das ERP nicht abbilden kann, und die Lücke fällt erst auf, wenn die Hardware schon steht.
Der zweite Gedanke ist der Turnschuh-Ansatz. Prozesse lassen sich nicht vom Schreibtisch aus digitalisieren — man muss den Weg der Ware und der Fahrzeuge selbst gehen, um zu sehen, wo das Lastenheft von der Wirklichkeit abweicht. Das kostet Zeit, spart aber die teuren Korrekturen am Ende.
Quellen
Podcast „Logistik aus der Praxis“, Case Study zur Prozessdigitalisierung im Versand mit dem Projektteam (Yardmanagement, SAP SD/TM): https://open.spotify.com/episode/3Fpdhjjx0HqjWbGRnrX834